Druckgrafik

Mit eigens angefertigten Formelementen färbendes Material auf einen Bildträger zu bringen und auf diese Weise grafische Bildformen zu repetieren, ist ein Urprinzip des Bildlichen.

Die vor- und frühindustriellen Technologien der grafischen Vervielfältigung haben aus diesem Prinzip das weitverzweigte Gestaltungsfeld der handwerklichen Hoch-, Tief-, Flach- und Schablonendruckgrafik entwickelt.

Weil zu den Techniken der Druckgrafik bereits unzählige Publikationen greifbar sind, verzichten wir hier darauf, die technischen Details der verschiedenen Druckverfahren zu erörtern. Neben den nachfolgenden Links erscheint uns das antiquarisch erhältliche «Handbuch der Druckgraphik» von Felix Brunner (Niggli, 1962/84) empfehlenswert.

Wikipedia
Autenrieths-Links

Gestaltungspraktik

Die charakteristischen Herausforderungen und Möglichkeiten der handwerklichen Druckverfahren eröffnen dem Bild- und Grafikschaffen unnachahmliche und oft unvorhergesehene Gestaltungswege.

Druckgrafische Werkprozesse durchlaufen grundsätzlich zwei technisch und zeitlich separierte Phasen:
– Während der grafischen Formulierung im Material der Druckform ist das effektive Bildresultat nicht ersichtlich und überprüfbar. Das bildnerische Vorgehen und der Einsatz technischer Verfahren beruhen auf Erfahrungen und sind von mehr oder weniger spekulativen Erwartungen getragen.
– Erst durch den technischen Prozess der Druckwiedergabe wird das effektive Bild sichtbar. An der Druckpresse erweitert sich die handwerkliche Druckgrafik zur Bildarbeit in Zustandsschritten, mit allen Gestaltungsmöglichkeiten, welche die Bildrepetition in allfälligen Form- und Farbkombinationen bietet.
Die Gestaltungwege in den charakteristischen, sich oftmals abwechselnden Arbeitsphasen sind in Endprodukten und Technikangaben kaum ersichtlich. Mit unseren Werkprozess-Dokumentationen beleuchten wir diese zumeist verborgenen, oft rätselhaft anmutenden Abläufe druckgrafischer Gestaltungspraktik.


Der Fokus auf die Druckgrafik als Gestaltungspraktik – in Unterscheidung zur Druckgrafik als Produktkategorie – ist in unserer Förderstrategie programmatisch. Dabei haben wir das ganze Spektrum künstlerischer, illustrativer und dekorativer Werkprozesse im Blick und orientieren uns weder an gattungsspezifischen Konventionen noch an hergebrachten Wertungskategorien.

Voraussetzungen

Bildschaffende begeben sich in das weitverzweigte Gelände der Druckgrafik ...

wenn sie darin inspirierende Wege für ihre Gestaltungsarbeit erkennen oder erahnen.

Das Verständnis für die Eigenart und das Potenzial druckgrafischer Gestaltungspraktiken ist die Grundvoraussetzung für ein lebendiges Druckgrafikschaffen.

Die grafischen Übersetzungsschritte der handwerklichen Drucktechniken werden in heutigen gestalterisch-künstlerischen Ausbildungen und Berufstätigkeiten kaum noch als unverzichtbare Grundkenntnisse betrachtet. Entsprechend rar ist dieses Praxiswissen bei jüngeren Berufsleuten der bildnerischen Gestaltung und Kunst.
Die Druckgrafik als ebenso herausforderndes wie attraktives Gestaltungsfeld sichtbar zu machen, ist daher ein vorrangiges Ziel unseres Engagements.

wenn sie die entsprechenden Einrichtungen mit erfahrenem Fachpersonal vorfinden.

Die weitverzweigten Gestaltungswege der handwerklichen Druckgrafik eröffnen sich in spezialisierten Werkstätten mit abgestimmten Materialien, Werkzeugen und Maschinen. Zur Orientierung und zur Unterstützung sind erfahrene Fachkräfte als wegkundige Pfadfinder*innen unverzichtbar.
Die Anerkennung dieser zentralen Voraussetzungen für druckgrafische Gestaltungspraktik ist in unserer Förderstrategie von zentraler Bedeutung. Diese Anerkennung betrifft die wirtschaftlichen Existenzperspektiven der Druckgrafik-Werkstätten ebenso wie die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte.


wenn sie es sich zeitlich und finanziell leisten können.

Druckgrafische Bildverfahren sind generell zeitaufwändig, und die davon angeregte Bildarbeit führt oft in ausgedehnte Werkprozesse. Diese Werkprozesse sind in vielen technischen Abläufen auf spezialisierte Einrichtungen und Fachkräfte angewiesen, deren wirtschaftliche Existenz auf der Abgeltung ihrer Infrastruktur- und Arbeitsleistungen beruht.
Die Kosten für beanspruchte Infrastruktur- und Arbeitsleistungen können druckgrafische Werkprozesse erheblich zurückbinden – was wiederum die wirtschaftliche Existenz der Druckwerkstätten gefährdet.
Angesichts dieser wirtschaftlichen Wechselwirkung hat die gezielte finanzielle Unterstützung druckgrafischer Werkprozesse grosse Bedeutung und Wirksamkeit.


Die elementaren Voraussetzungen für die druckgrafische Gestaltungspraxis zu gewährleisten, ist eine zentrale Zielsetzung des Fördervereins DRUCKZEIT.

Perspektiven

Veränderte Bedingungen – insbesondere im Marktumfeld druckgrafischer Produkte – stellen die Zugänglichkeit und die Voraussetzungen druckgrafischer Gestaltungspraxis zunehmend in Frage.

Die ehemals für eine effiziente Vervielfältigung von Bild und Text entwickelten Verfahren der Druckgrafik sind hinsichtlich ihrer Produktionsleistung komplett überholt. Auch die wirtschaftlich treibenden und tragenden Verlagsstrukturen, die zuletzt noch die Ära der handwerklich- künstlerischen Editionsgrafik begleitet haben, sind heute kaum noch wirksam.
Sporadisches oder kontinuierliches Druckgrafikschaffen stellt heute zumeist eine individuelle, primär gestalterisch motivierte Entscheidung dar. Weil mit dieser Entscheidung auch die anfallenden Kosten für spezialisierte Infrastruktur- und Arbeitsleistungen individuell getragen werden müssen, droht Druckgrafik eine exklusive Gestaltungspraxis zu werden.
Dass immer mehr tragende Strukturen wegfallen, die zum druckgrafischen Schaffen anregen, es finanzieren und vermarkten, schmälert die Existenzperspektiven spezialisierter Werkstätten und von Fachpersonen – und damit die elementare Voraussetzung für druckgrafische Gestaltungspraxis.


Eine aktualisierte Betrachtung der Druckgrafikschaffens zeigt neue Perspektiven der Druckgrafik auf.

Die Entwicklungen im Marktumfeld und in der praktischen Anwendung erfordern es, das Druckgrafikschaffen und daraus hervorgehende Produkte neu wahrzunehmen und zu bewerten. Der Druckgrafik als künstlerische Produktkategorie und/oder handwerkliches Kulturgut stellen wir die Druckgrafik als lebendig-gegenwärtige Gestaltungspraxis in lokalen Werkstätten gegenüber. Druckgrafikschaffende – ob sie künstlerisch, illustrativ, dekorativ oder akzidenzgrafisch gestalten – erhalten einfach Zugang zu spezialisierten Einrichtungen und fachkundiger Unterstützung. So sichern sie wiederum die wirtschaftliche Grundlage für Unternehmen sowie für erfahrene und neu auszubildende Fachkräfte


Wenn wir die Druckgrafik als gegenwärtige und breit zugängliche Gestaltungspraxis verstehen, erkennen wir auch die tragenden Strukturen dieser Vision.

Strukturen

In enger Kooperation mit der Druckwerkstatt in Lenzburg entwickeln wir konkrete Fördermodelle, die aufzeigen, wie gezielt angeregtes und unterstütztes Druckgrafikschaffen die zentralen Voraussetzungen für druckgrafische Gestaltungspraxis sichern kann.

Wir erproben insbesondere ...
– welche offensiven Strategien in unterschiedlichsten Zielgruppen druckgrafisches Schaffen anregen und beliebt machen können.
– welche Formen der Unterstützung das Druckgrafikschaffen finanziell entlasten können.
– welche Anregungs- und Finanzierungs-Strukturen den druckgrafischen Werkstatt-Einrichtungen und -Fachpersonen eine stabile wirtschaftliche Grundlage bieten können.
– welche Formen der Publikation das druckgrafische Schaffen und seine Produkte in der öffentlichen Wahrnehmung stärken und damit druckgrafisches Schaffen anregen können.


Wirksame Anregungs-, Finanzierungs- und Publikationsmodelle wollen wir langfristig als breit abgestützte Druckzeit-Strukturen etablieren.